Wie können wir die sozialen Kräfte der Imagination stärken?
Die Krisen unserer Zeit beruhen auch auf einem Mangel an Vorstellungskraft. Davon ist die Kulturwissenschaftlern Hildegard Kurt überzeugt. Sie sucht praktische Wege, die Kräfte der Imagination in unserem Inneren und zwischen den Menschen neu zu beleben. Denn, wie sie in einem Interview mit evolve erklärt: „In unserer derzeitigen Lage ist es überlebenswichtig geworden, innerhalb kürzester Zeit den Zustand kollektiver Anästhesie zu durchbrechen und etwas wirklich Atemberaubendes zu bewerkstelligen: einen Wandel weg vom etablierten Weltbezug, der auf Aneignung und Kontrolle aus ist und damit Sterbefelder produziert, hin zu einem Weltbezug, der ganz auf Lebendigkeit fokussiert – darauf, das mit allen Wesen geteilte Leben der Erde bewusst zu mehren, zu kultivieren und zu regenerieren.“
Während, so Hildegard Kurt, High Tech-Visionen – etwa die einer intergalaktischen Zukunft der Menschheit – derzeit die Börsen beflügeln, steht soziale Imagination nicht hoch im Kurs. Und permanent werde, namentlich in den sozialen Medien, der Möglichkeitsraum gesellschaftlichen Gestaltens durch Ausgrenzungen und Polarisierungen eingeengt. „Hinzu kommt: Das Vordringen von KI in allen Lebens- und Arbeitsbereichen verfestigt die ohnehin starke Übermacht einseitig logisch-kausaler Denkformen. Alles Datengestützte ist in Silizium kristallisiertes ehemaliges Denken, basiert mithin auf Vorgaben aus der Vergangenheit. Hier braucht es dringend mehr Ausgleich durch ein imaginatives Denken ‚von der Zukunft her‘.“
Vor diesem Hintergrund ist Hildegard Teil eines Teams um die Künstlerin Tanja Corbach, das daran arbeitet, das Kulturgut Denkmal durch ein neues Kulturgut, „Träummale“ zu ergänzen: Denkmale dienen einer öffentlichen Erinnerungskultur. „Träummale“ fördern das Entstehen einer öffentlichen Visionskultur.
Bei unserem evolve LIVE! Dialog-Webinar erforschen wir gemeinsam mit Hildegard Kurt und den Teilnehmenden, wie wir die Kräfte der Imagination in uns und zwischen uns stärken können. Die Praxis des Dialogs bietet eine Möglichkeit, das uns allen per Geburt gegebene „Tagträumen“ neu im Dienst des Lebendigen zu entdecken und zu praktizieren.