VI. Roginskij-Tagung Das Archiv als Ort der Erinnerung und als Form des Widerstands

Freitag 27. März, 10:00 - Samstag 28. März, 18:30 CET

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Konferezraum EG, Berlin

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Am 30. März 2026 hätte Arsenij Roginskij seinen 80. Geburtstag gefeiert.
Der sogenannte archival turn, der Ende der 1960er Jahre in den westlichen Geistes- und Sozialwissenschaften einsetzte – noch bevor die Archive der kommunistischen Regime zugänglich wurden –, stellte das Archiv als einen neutralen Speicher objektiven Wissens grundlegend in Frage. Er machte sichtbar, dass Archive, insbesondere staatliche Archive, zur Konstruktion historischer Narrative beitragen und nicht selten als Instrumente politischer Macht fungieren, indem sie eine für den Staat funktionale Deutung der Vergangenheit ermöglichen.
Gleichzeitig etablierte sich ein erweitertes Verständnis historischer Quellen. Als Quelle kann seither alles gelten, was Menschen sagen oder schreiben, herstellen oder nutzen, womit sie interagieren. Dieses erweiterte Quellenverständnis bildet die Grundlage neuer Archive, die unter den Bedingungen der Liquidierung von Memorial International sowie im Kontext des großangelegten russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine entstanden sind – auch der Archive zur Dokumentation von Kriegsverbrechen.

Themen der Sektionen und Einzelvorträge:

  • Das Archiv als totalitäre und koloniale Praxis und ihr Erbe. Zum Schicksal totalitärer und kolonialer Archive

  • Statehood, Memory, Identity: The Role of Archives in Shaping Independent Ukraine

  • Archive unter Stalin und für Stalin

  • Koloniale Dimensionen in den Archiven Usbekistans
    Zentrum und Peripherie in Archiven und ihrer Nutzung durch die Geschichtswissenschaft heute: Kollektivierung und Holodomor, bäuerliche Gesellschaft und sowjetische Agrarpolitik in der Ukraine (1920er–1940er Jahre)

  • Archive der Ukraine

  • Anpassungsstrategien junger Wissenschaftler:innen unter Kriegsbedingungen, im Kontext postkolonialer Perspektiven und eingeschränkten Archivzugangs in Russland – anhand konkreter Quellen

  • Aktivitäten zukünftiger Memorial-Aktivist:innen in der späten Sowjetunion
    Fragen der Publikation und Präsentation von Archiven (Auswahl, Interpretation, Redaktion) am Beispiel des Ringelblum-Archivs

  • Präsentation eines „integrativen“ Kooperationsprojekts zur Vernetzung von Archivbeständen verschiedener Institutionen mithilfe digitaler Technologien

An der Konferenz nehmen führende Wissenschaftler:innen und Archivar:innen aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, den USA, der Ukraine, Frankreich, Tschechien und der Schweiz teil.

Tagungssprachen: Russisch, Englisch, Deutsch.

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Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Konferezraum EG • Kronenstraße 5, 10117 Berlin, Berlin, Deutschland

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