Wie kann es helfen bei der Orientierung in krisenhaften Zeiten?
Heike Pourian beschäftigt sich als Wandelgestalterin mit der notwendigen Transformation unseres Bewusstseins, der Emergenz einer neuen Möglichkeit des In-der-Welt-seins, die man als integrales Bewusstsein, als Interbeing oder regenerative Kultur beschreiben kann.
Über diesen notwendigen Wandel sagt sie in einem Interview mit evolve: „Interbeing ist das Anerkennen der Tatsache, dass kein Leben ohne anderes Leben leben kann. Die Geschichte der Getrenntheit ist ein Narrativ, während Interbeing ein Lebensgesetz ist. Wir bewegen uns also gerade von einer Hilfskonstruktion in ein Anerkennen der Gesetzmäßigkeiten des Lebens. Dabei gibt es einen Raum zwischen den Geschichten, in dem wir Orientierungslosigkeit erleben, weil das Alte nicht mehr funktioniert, das Neue aber noch nicht fassbar ist. …
Das ist die Stelle, wo es für die Menschen, die im Bewusstseinswandel unterwegs sind, ungemütlich werden muss, weil wir uns nicht auf unser Meditationskissen zurückziehen können. Wir müssen anerkennen, dass wir uns als Menschheit eine falsche, ausbeuterische Geschichte erzählen, um Sicherheit durch Kontrolle herzustellen. Wenn wir die Kontrolle loslassen, dann gehen wir in Richtung des Regenerativen.“
Dieses neue Bewusstsein kann in uns und zwischen uns lebendig werden – aber was heißt das konkret? „Alles Lebendige braucht Resonanz. Leben kann sich dann entfalten, wenn es spürt, es gibt Resonanz für mein Sein. Das betrifft menschliches und mehr-als-menschliches Leben, es betrifft das Leben an sich. Zuhören bedeutet für mich vor allem: Resonanzraum sein. Durch die Art und Weise, wie ich dir ein Gefäß für dein Sein zur Verfügung stelle, kannst du dich abbilden und dich selber wahrnehmen. Je entspannter ich bin, desto weiter kann mein Resonanzraum sein, desto mehr Platz ist da für dich, auch wenn du sehr anders bist als ich. So wird ein unangestrengtes Einander-Bezeugen möglich, in dem wir uns voneinander inspirieren lassen.“
Bei unserem evolve LIVE! Dialog-Webinar teilt Heike Pourian mit uns, wie sich ihr Verständnis des integralen Spiral-Dynamics-Modells in den letzten Jahren verändert hat. Immer mehr richtet sich ihr Blick darauf, dass das Anerkennen der menschlichen Selbstüberschätzung und der daraus resultierenden Krisen unsere momentane Hauptaufgabe ist. Für das Verständnis der Ausführungen ist es hilfreich, aber nicht zwingend notwendig, mit dem Spiral-Dynamics-Modell vertraut zu sein.
Im zweiten Teil des Abends erforschen wir gemeinsam, wie diese Perspektive auf integrales Bewusstsein unser Sein, unsere Beziehungen und unser Handeln verändern kann – zu genau diesem Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheitsentwicklung. Die Praxis des Dialogs gibt uns dabei eine Möglichkeit, gemeinsam zu erforschen, wie dieses neue Gewahrsein zwischen uns spürbar wird.